Kunst kann einen hohen persönlichen, kulturellen und finanziellen Wert haben.
Kunstwerke können über Generationen hinweg gesammelt, aus Freude an der Kunst erworben oder in der Erwartung einer künftigen Rendite gekauft werden.
Doch um den Wert eines Kunstwerks einzuschätzen und zu beurteilen, ob und zu welchen Bedingungen es sich später wieder verkaufen lässt, braucht es andere Fachkenntnisse als bei der Bewertung klassischer Finanzanlagen.
In dieser Folge des Wealth Insider Podcasts spricht Gastgeber Christian Lindvall mit Nicholas Robin und Jeppe Curth, den Mitgründern und geschäftsführenden Partnern von Nordic Art Partners. Gemeinsam beleuchten sie, wie sich Kunst als Teil eines größeren Privatvermögens bewerten, erwerben und verwalten lässt.
Nicholas und Jeppe bringen langjährige Erfahrung im internationalen Kunstmarkt und im Aufbau von Kunstsammlungen mit. Sie erklären, wie sich durch fundiertes Fachwissen und die gezielte Nutzung von Marktdaten beim Kunstkauf fundiertere Entscheidungen treffen lassen.
Das Gespräch bietet Einblicke aus erster Hand in das Spannungsfeld zwischen Leidenschaft und Geldanlage, zeigt Risiken auf, die Käufer leicht übersehen, und verdeutlicht, worauf Vermögensverwalter und Family Offices achten sollten, wenn Kunst einen wesentlichen Teil des Vermögens ihrer Kunden ausmacht.
Kunstkauf mit einem fundierten Investmentansatz
Nicholas und Jeppe fanden auf unterschiedlichen Wegen zur Kunst.
Bei Nicholas begann alles mit seinem Interesse an Geschichte, Literatur und Kultur. Sein Kunstgeschichtsstudium führte ihn in eine berufliche Laufbahn, die ihn durch Galerien und internationale Kunstmärkte führte. Viele Jahre davon verbrachte er in New York.
Dort begegnete er Sammlern, die beim Kunstkauf ebenso analytisch vorgingen wie bei ihren anderen Investitionen.
Sie wollten verstehen, was sie kauften, warum ein Werk von Bedeutung war und wie es im Vergleich zu anderen Anlagemöglichkeiten abschnitt.
Jeppes Interesse entstand dagegen aus seinen eigenen Erfahrungen als Käufer.
Als er auf ein Kunstwerk mit einem beträchtlichen Preis stieß, suchte er nach Informationen, die dessen Wert erklären konnten. Dass solche Informationen kaum zugänglich waren, weckte sein Interesse an den Marktdaten und der Transparenz des Kunstmarktes.
Aus diesen unterschiedlichen Erfahrungen entwickelte sich ein gemeinsames Ziel.
Mit Nordic Art Partners wollten die beiden den Kunstkauf systematischer gestalten und die Beurteilung künstlerischer Qualität mit einer fundierten Analyse des Marktes verbinden, in dem das jeweilige Werk gehandelt wird.
Warum die Motivation beim Kunstkauf entscheidend ist
Bevor Nicholas und Jeppe ein Kunstwerk empfehlen, möchten sie zunächst verstehen, welche Ziele der Käufer verfolgt.
Manche Kunden möchten eine Sammlung aufbauen, an der sie sich zu Hause erfreuen und die sie später an ihre Kinder weitergeben können.
Andere interessieren sich vor allem für die finanzielle Rendite. Bei vielen spielen beide Aspekte eine Rolle.
Diese Beweggründe beeinflussen, welche Werke infrage kommen, wie lange sie gehalten werden sollen und welche Erwartungen realistisch sind.
Ein Kunstwerk, das vor allem aus persönlicher Begeisterung erworben wird, kann auch dann eine lohnende Anschaffung sein, wenn die Aussichten auf einen späteren Verkauf begrenzt sind. Steht dagegen die Geldanlage im Vordergrund, müssen die Marktbedingungen und die Möglichkeiten eines späteren Verkaufs genauer geprüft werden.
Allerdings ist die Grenze zwischen diesen beiden Motiven oft weniger eindeutig, als Käufer zunächst annehmen.
Nicholas erinnert sich an einen Kunden, für den nach eigener Aussage ausschließlich die finanzielle Rendite zählte. Das Kunstwerk sollte ohnehin eingelagert werden. Als Nicholas ihm jedoch ein passendes Werk vorstellte, lehnte der Kunde es ab, weil es ihm optisch nicht gefiel.
Selbst bei einer vorrangig finanziell motivierten Kaufentscheidung spielen persönliche Vorlieben also eine Rolle.
Für Nicholas und Jeppe kommt es deshalb darauf an, von Anfang an Klarheit über die Wünsche und Prioritäten des Käufers sowie die damit verbundenen Zielkonflikte zu schaffen.
Kunstexpertise und Marktdaten miteinander verbinden
Um ein Kunstwerk fundiert zu beurteilen, reicht es nicht aus, den Namen des Künstlers zu kennen oder die Qualität eines Gemäldes zu schätzen.
Nordic Art Partners untersucht unter anderem die bisherigen Verkäufe, die Marktliquidität, die Preisentwicklung und das Netzwerk, das die Karriere eines Künstlers unterstützt.
Welche Galerien einen Künstler vertreten, ob seine Werke in Museen Anerkennung finden und wie groß das Interesse unter Sammlern ist, kann viel über seine Stellung am Kunstmarkt aussagen.
Zwei Künstler können Werke von vergleichbarer Qualität schaffen und dennoch ganz unterschiedliche Marktchancen haben. Entscheidend ist dabei auch, welche Institutionen und Galerien hinter ihnen stehen.
Diese Zusammenhänge zu verstehen, gehört zu einer sorgfältigen Prüfung vor dem Kauf.
Für Nicholas, der ursprünglich aus der klassischen Kunstgeschichte kommt, war der Nutzen von Daten zunächst nicht selbstverständlich.
„Anfangs war ich skeptisch, welche Rolle Daten dabei überhaupt spielen könnten.“ – Nicholas Robin, Mitgründer und geschäftsführender Partner, Nordic Art Partners
Mit der Zeit erkannte er jedoch, wie Datenanalysen Einschätzungen untermauern können, die auf jahrelanger Erfahrung mit der Betrachtung und Bewertung von Kunst beruhen.
Durch die Verbindung beider Ansätze kann das Team sowohl das Kunstwerk selbst als auch die verfügbaren Marktdaten beurteilen.
Für Vermögensverwalter und Family Offices, die es gewohnt sind, andere Anlageklassen anhand von Daten zu bewerten, schafft diese Analyse zudem eine vertrautere Grundlage, um einen Kunstkauf einzuordnen.
Die Wahl des richtigen Künstlers ist nur ein Teil der Entscheidung
Ein guter Ruf bedeutet nicht, dass alle Werke eines Künstlers gleichermaßen gefragt sind.
Je nach Schaffensphase, Stil und Werkgruppe können sich sowohl die kunsthistorische Bedeutung als auch die Nachfrage am Markt erheblich unterscheiden.
Bei etablierten Künstlern mit einer langen Karriere helfen Auktionsergebnisse und die Anerkennung durch Museen und andere Institutionen dabei, Werke zu identifizieren, die über längere Zeit hinweg auf Interesse gestoßen sind.
Bei jüngeren Künstlern ist eine solche Einschätzung mit deutlich mehr Unsicherheit verbunden.
So kann ein Käufer frühzeitig ein Werk eines Künstlers erwerben, der später erfolgreich wird, und dennoch feststellen, dass Sammler vor allem Arbeiten aus einer anderen Schaffensphase bevorzugen.
„Man hat den richtigen Künstler gewählt, aber die falschen Werke gekauft.“ – Jeppe Curth, Mitgründer und geschäftsführender Partner, Nordic Art Partners
Nicholas und Jeppe sprechen auch über die Risiken rasanter Preissteigerungen auf dem Markt für zeitgenössische Kunst.
Wenn ein Künstler zunehmend Aufmerksamkeit erhält, können sich daraus Chancen ergeben. Ein sprunghafter Anstieg der Nachfrage bedeutet jedoch nicht automatisch, dass seine Werke langfristig an Wert gewinnen oder ihren Wert halten.
Für eine fundierte Kaufentscheidung ist es deshalb entscheidend, das einzelne Kunstwerk, seine Bedeutung innerhalb des Gesamtwerks eines Künstlers und die Nachfrage am Markt genau zu verstehen.
Kunst zu kaufen ist leichter, als sie wieder zu verkaufen
Ein zentrales Thema des Gesprächs ist die Liquidität von Kunstwerken.
Selbst wenn für ein Kunstwerk ein etablierter Markt existiert und sein Wert plausibel eingeschätzt werden kann, bedeutet das nicht, dass sich sofort ein Käufer findet, der bereit ist, den entsprechenden Preis zu zahlen.
Die Suche nach einem solchen Käufer kann Zeit in Anspruch nehmen.
„Kaufen ist einfach. Die eigentliche Schwierigkeit liegt darin, ein Werk wieder zu verkaufen.“ – Jeppe Curth, Mitgründer und geschäftsführender Partner, Nordic Art Partners
Steht bei einem Kunstkauf die Geldanlage im Vordergrund, berücksichtigen Nicholas und Jeppe deshalb von Anfang an die Möglichkeiten eines späteren Verkaufs.
Dazu gehört die Frage, wer als Käufer infrage kommt, über welche Kanäle sich das Werk verkaufen ließe und wie groß der potenzielle Käuferkreis ist.
Ein Kunstwerk, das international gefragt ist, lässt sich möglicherweise einem größeren Kreis potenzieller Käufer anbieten als eines, dessen Nachfrage sich auf einen kleinen lokalen Markt beschränkt.
Doch selbst dann lässt sich nicht zuverlässig vorhersagen, wann ein Verkauf zustande kommt.
Für Vermögensverwalter hat das konkrete Auswirkungen: Ein geschätzter Marktwert bedeutet nicht, dass sich dieser Betrag innerhalb eines planbaren Zeitraums tatsächlich realisieren lässt.
Ob ein Eigentümer das Kunstwerk bis zu einer geeigneten Verkaufsgelegenheit halten kann, muss deshalb bereits bei der Investitionsentscheidung berücksichtigt werden.
Eine Kunstsammlung nach Risiko und Anlagehorizont aufbauen
Lassen sich die Grundsätze der Portfoliogestaltung auch auf Kunst übertragen?
Nicholas und Jeppe sind überzeugt, dass dies möglich ist, solange beim Aufbau der Sammlung klare Ziele im Vordergrund stehen.
Das verfügbare Budget lässt sich auf verschiedene Künstler, Preisklassen und Anlagezeiträume verteilen, wobei jeder Kauf einen bestimmten Zweck erfüllt.
Manche Werke werden möglicherweise mit dem Ziel erworben, sie innerhalb weniger Jahre wieder zu verkaufen. Andere sind als langfristige Anlagen gedacht.
Wie die Sammlung zusammengestellt wird, hängt von der Risikobereitschaft, den finanziellen Erwartungen und den persönlichen Interessen des Käufers ab.
Dieser Ansatz unterscheidet sich mitunter deutlich vom Aufbau einer Sammlung, die sich an einem eng gefassten künstlerischen Thema orientiert.
Eine Sammlung kann kulturell oder kunsthistorisch von großer Bedeutung sein, ohne die Wiederverkaufsmöglichkeiten zu bieten, die ein vorwiegend renditeorientierter Käufer benötigt.
Für Nordic Art Partners kommt es deshalb darauf an, die individuellen Prioritäten jedes Kunden zu verstehen und die Empfehlungen darauf abzustimmen.
Was Vermögensverwalter leicht übersehen
Wenn Kunst Teil des Vermögens eines Kunden ist, spielt nicht nur der Kaufpreis eine Rolle.
Nicholas weist auf die praktischen und administrativen Aufgaben hin, die mit dem Besitz von Kunstwerken verbunden sind.
Transport, Lagerung, fachgerechte Verpackung und Versicherung können erhebliche zusätzliche Kosten verursachen.
Auch die Provenienz, der Erhaltungszustand und die Echtheit eines Kunstwerks müssen sorgfältig geprüft werden. Je nach Künstler und Werk können dafür Echtheitszertifikate, die Zusammenarbeit mit Stiftungen oder die Einbindung des Künstlernachlasses erforderlich sein.
All diese Aspekte beeinflussen sowohl den laufenden Umgang mit einem Kunstwerk als auch die Möglichkeiten eines späteren Verkaufs.
Hinzu kommt die Unsicherheit über den richtigen Verkaufszeitpunkt.
Ein Kunde kann eine wertvolle Kunstsammlung besitzen und dennoch nur begrenzte Möglichkeiten haben, diese kurzfristig zu Geld zu machen.
Für Finanzexperten, die sich ein vollständiges Bild von der Vermögenssituation ihrer Kunden machen möchten, ist die Unterstützung durch Kunstspezialisten deshalb besonders wertvoll.
Diese Zusammenarbeit geht weit über die Auswahl geeigneter Kunstwerke hinaus. Sie kann auch bei laufenden Bewertungsfragen, Versicherungsangelegenheiten sowie bei Entscheidungen darüber helfen, wann und auf welchem Weg ein Werk verkauft werden sollte.
Zusammenarbeit mit Kunstsammlern und ihren Beratern
Die Zusammenarbeit mit Nordic Art Partners beginnt in der Regel mit einem Gespräch zwischen dem Kunden, seinem Vermögensverwalter oder Family Office und dem Team von Nordic Art Partners.
Dabei geht es um die bestehende Kunstsammlung des Kunden, seine bisherigen Erfahrungen, seine Ziele und die Frage, wie er die Kunstwerke nutzen möchte.
Manche Werke werden für die Einlagerung gekauft, andere sollen zu Hause oder in Geschäftsräumen ausgestellt werden.
Der Kaufprozess kann schnell vorangehen. Bis das passende erste Kunstwerk gefunden ist, kann aber auch deutlich mehr Zeit vergehen.
„Manchmal dauert es eine Woche, manchmal Jahre, bis wir das erste passende Werk finden.“ – Jeppe Curth, Mitgründer und geschäftsführender Partner, Nordic Art Partners
Im Laufe der Zusammenarbeit können gemeinsame Galeriebesuche, Kunstmessen und weitere Gelegenheiten hinzukommen, den Kunstmarkt besser kennenzulernen.
Bei manchen Kunden entwickelt sich aus einem anfänglich finanziellen Interesse mit der Zeit eine persönliche Begeisterung für das Sammeln von Kunst.
Auch die Zusammenarbeit mit den Finanzberatern kann langfristig fortgesetzt werden, etwa durch regelmäßige Berichte, die Vermittlung von Fachwissen und Unterstützung bei den praktischen Fragen rund um den Besitz von Kunstwerken.
So entsteht eine langfristige Zusammenarbeit, die sich an der individuellen Situation des Kunden und der Bedeutung von Kunst innerhalb seines Gesamtvermögens orientiert.
Themen dieser Folge
- Warum Nordic Art Partners gegründet wurde
- Das Zusammenspiel von Kunstsammeln, Leidenschaft und Geldanlage
- Wie Marktdaten bei der Bewertung von Kunstwerken helfen
- Der Einfluss von Galerien, Museen und der Nachfrage unter Sammlern
- Warum Werke desselben Künstlers unterschiedliche Marktchancen haben können
- Liquidität, Wiederverkaufsmöglichkeiten und die Bedeutung einer Exit-Strategie
- Wie sich Grundsätze der Portfoliogestaltung auf eine Kunstsammlung übertragen lassen
- Laufende Kosten, Provenienz, Erhaltungszustand und Echtheit von Kunstwerken
- Wie spezialisierte Kunstberater mit Vermögensverwaltern und Family Offices zusammenarbeiten
Jetzt die vollständige Folge ansehen
Sehen Sie sich das vollständige Gespräch mit Nicholas Robin und Jeppe Curth an und erfahren Sie, wie sich Kunst als Vermögenswert bewerten lässt, warum Liquidität eine wichtige Rolle spielt und wie spezialisiertes Fachwissen dabei hilft, Kunst im Kontext des gesamten Privatvermögens besser einzuordnen.
Über die Gäste
Nicholas Robin und Jeppe Curth sind Mitgründer und geschäftsführende Partner von Nordic Art Partners. Sie beraten Kunstsammler und unterstützen Family Offices sowie Finanzinstitute beim Erwerb und der Verwaltung von Kunstwerken.
Nicholas verfügt über jahrzehntelange Erfahrung auf dem internationalen Kunstmarkt und hat unter anderem eine Galerie in New York geleitet. Jeppe war als Profifußballer und Unternehmer tätig und ist selbst Kunstsammler. Diese Erfahrungen haben sein Interesse daran geprägt, den Kunstmarkt transparenter und zugänglicher zu machen. Gemeinsam verbinden die beiden fundierte Kunstexpertise mit Marktanalysen, um Kunden bei Kaufentscheidungen und beim langfristigen Umgang mit ihren Kunstwerken zu unterstützen.
Über Wealth Insider
Wealth Insider ist ein Podcast von Performativ, der sich mit den Strategien, Technologien und Menschen beschäftigt, die die Zukunft der Vermögensverwaltung prägen. In jeder Folge kommen Führungspersönlichkeiten aus dem Investmentmanagement, Private Banking, Fintech-Sektor und der Finanzmarktregulierung zu Wort und geben in offenen Gesprächen Einblicke in ihre Erfahrungen und Perspektiven.
.jpg)
.png)