Leitung eines fast 100 Jahre alten Vermögensverwalters: Einblick in OHV Vermogensbeheer

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16. April 2026

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Christian Lindvall

Die niederländische Vermögensverwaltungsbranche wird sowohl von Tradition als auch von Innovation geprägt. In dieser Folge des Wealth Insider podcast spricht Moderator Christian Lindvall mit Erik Bakker, CEO von OHV Vermogensbeheer, darüber, wie sich einer der etabliertesten unabhängigen Vermögensverwalter der Niederlande von einem institutionellen Broker zu einer modernen Finanzplattform mit mehreren Dienstleistungen entwickelt hat.

Mit Wurzeln, die bis ins Jahr 1932 zurückreichen, bietet OHV eine seltene Perspektive darauf, wie langfristiges Denken, Kundenfokus und Anpassungsfähigkeit über Jahrzehnte hinweg zur Relevanz in unterschiedlichen Marktzyklen beitragen.

Vom institutionellen Broker zum Full-Service-Vermögensverwalter

Die Ursprünge von OHV liegen in der institutionellen Brokerage, in der fundierte Expertise in den Rentenmärkten die Grundlage des Geschäfts bildete. Im Laufe der Zeit zwangen strukturelle Veränderungen in den Finanzmärkten das Unternehmen dazu, seine Rolle neu zu definieren.

Die Einführung des Euro markierte einen Wendepunkt. Mit veränderten Marktbedingungen entwickelte sich OHV von einem brokerage-orientierten Modell hin zu Vermögens- und Asset Management und erweiterte seine Dienstleistungen sowohl für institutionelle als auch für private Kunden.

In dieser Folge von Wealth Insider erläutert Erik Bakker, wie diese Transformation verlaufen ist und wie das Unternehmen neue Fähigkeiten auf Basis seiner bestehenden Stärken aufgebaut hat.

„Wir haben uns gesagt: Wir wissen viel über Rentenmärkte, wir wissen viel über Risiko. Das ist unser Kerngeschäft.“ – Erik Bakker, CEO, OHV

Dieser Wandel spiegelt einen breiteren Branchentrend wider, bei dem Unternehmen zunehmend näher an den Endkunden rücken und Ausführung, Beratung und Portfoliomanagement in einem Angebot bündeln.

Relevanz über fast ein Jahrhundert hinweg

Nur wenige Unternehmen im Finanzsektor sind über nahezu 100 Jahre hinweg erfolgreich tätig. Bei OHV basiert diese Beständigkeit auf der kontinuierlichen Bereitschaft, sich anzupassen.

Anstatt sich ausschließlich auf bestehende Stärken zu verlassen, hat das Unternehmen sein Geschäftsmodell fortlaufend weiterentwickelt, als Reaktion auf Marktveränderungen, Kundenbedürfnisse und gesellschaftliche Entwicklungen.

„Ich denke, man sollte gesellschaftliche Veränderungen verfolgen und wirklich auf die Wünsche der Kunden hören. Man muss sich ständig anpassen.“ – Erik Bakker, CEO, OHV

Diese Anpassungsfähigkeit wird durch eine Unternehmenskultur unterstützt, die Experimentieren fördert, Fehler als Teil des Prozesses akzeptiert und eine offene Kommunikation im gesamten Unternehmen ermöglicht.

Gleichzeitig bleiben langfristige Kundenbeziehungen zentral. Viele institutionelle und private Kunden arbeiten seit Jahrzehnten mit OHV zusammen, was einen klaren Fokus auf Vertrauen und Kontinuität widerspiegelt.

Eine Plattform komplementärer Dienstleistungen

Heute ist OHV in mehreren miteinander verbundenen Geschäftsbereichen tätig, darunter Vermögensverwaltung, institutionelles Asset Management, Brokerage-Dienstleistungen und spezialisierte Kreditvergabe.

Anstatt als separate Einheiten zu agieren, bilden diese Fähigkeiten eine integrierte Plattform, in der sich die einzelnen Komponenten gegenseitig verstärken.

Institutionelle Kunden benötigen beispielsweise häufig maßgeschneiderte Berichte und Risikoanalysen. Diese Fähigkeiten werden anschließend auf andere Bereiche des Unternehmens übertragen, darunter Kreditvergabe und Portfolios privater Kunden.

„Wir sehen keine getrennten Geschäftsbereiche. Es ist eine Plattform, in der alles ineinandergreift.“ – Erik Bakker, CEO, OHV

Dieser integrierte Ansatz ermöglicht es OHV, die Kontrolle über die gesamte Wertschöpfungskette zu behalten, von der Auswahl von Investitionen bis hin zu Ausführung und Berichterstattung.

Warum Inhouse-Brokerage weiterhin wichtig ist

Ein prägendes Merkmal des OHV-Modells ist die eigene Brokerage-Kompetenz, insbesondere in den Rentenmärkten.

Im Gegensatz zu Aktienmärkten sind Anleihemärkte stark fragmentiert und erfordern oft enge Beziehungen zu Gegenparteien, um Zugang zu Liquidität und Preisvorteilen zu erhalten.

Durch den direkten Zugang zu diesen Märkten kann OHV Chancen gezielter nutzen und Transaktionen zu günstigeren Konditionen ausführen.

Dieser Ansatz ermöglicht zudem schnellere Entscheidungen und einen besseren Informationsfluss, was in volatilen Marktphasen entscheidend sein kann.

Für Kunden führt dies zu einer besseren Ausführungsqualität und in einigen Fällen zu höheren Renditen durch den Zugang zu Neuemissionen und Preisineffizienzen.

Ein Investmentansatz auf Basis von Risikodisziplin

Im Zentrum der Investmentphilosophie von OHV steht ein starker Fokus auf Risikomanagement.

Anstatt auf kurzfristige Marktentwicklungen zu reagieren, legt das Unternehmen Wert auf vorhersehbare Cashflows, Kreditqualität und die Widerstandsfähigkeit von Portfolios über wirtschaftliche Zyklen hinweg.

„Für uns beginnt die Portfoliokonstruktion mit Risiko. Wenn man die Abwärtsrisiken schützt, folgen die Renditen.“ – Erik Bakker, CEO, OHV

Diese langfristige Perspektive bedeutet, dass Portfolios nicht kontinuierlich an kurzfristige Marktbewegungen angepasst werden. Stattdessen basieren Allokationsentscheidungen auf strukturellen Trends und fundamentaler Analyse.

Ziel ist es, Portfolios aufzubauen, die über die Zeit hinweg stabil performen, anstatt kurzfristige Gewinne zu maximieren.

Kundenerwartungen in einer digitalen Welt

In den vergangenen Jahrzehnten war einer der größten Veränderungen im Asset Management der Anstieg digitaler Zugänglichkeit.

Kunden erwarten heute dasselbe Maß an Komfort, Transparenz und Reaktionsfähigkeit von Finanzdienstleistungen wie aus anderen Branchen.

Laut Erik Bakker hat dieser Wandel grundlegend verändert, wie Unternehmen arbeiten müssen.

„Es geht um Zugänglichkeit, den Schutz von Daten und darum, jederzeit und überall für Kunden verfügbar zu sein.“ – Erik Bakker, CEO, OHV

Gleichzeitig ist der Zugang zu Informationen stark gestiegen. Während dies Investoren stärkt, unterstreicht es auch den Wert professioneller Expertise bei der Filterung, Interpretation und Nutzung dieser Informationen.

Nachhaltigkeit integrieren, ohne den Fokus zu verlieren

Nachhaltigkeit ist zu einem wichtigen Faktor im Asset Management geworden, doch ihre Rolle entwickelt sich weiter.

Bei OHV wird Nachhaltigkeit nicht als eigenständige Strategie betrachtet, sondern als integrierter Bestandteil der Portfoliokonstruktion und Kundenberatung.

Das Unternehmen berücksichtigt ESG-Faktoren auf Basis von Kundenpräferenzen und entwickelt maßgeschneiderte Lösungen für institutionelle und private Kunden.

Dies reicht von der Integration von Nachhaltigkeitskriterien in Portfolios bis hin zur Strukturierung wirkungsorientierter Kreditstrategien, die auf spezifische Ziele ausgerichtet sind.

Gleichzeitig weist Erik Bakker darauf hin, dass das Interesse der Kunden an Nachhaltigkeit im Laufe der Zeit schwanken kann und damit breitere gesellschaftliche Entwicklungen widerspiegelt.

Führung, Kultur und langfristiges Denken

Nach mehr als drei Jahrzehnten bei OHV hat Erik Bakker die Entwicklung des Unternehmens aus erster Hand erlebt.

Sein Führungsansatz ist geprägt von einem starken Fokus auf Kultur, Verantwortung und langfristige Ausrichtung.

Anstatt Führung als Top-down-Steuerung zu verstehen, beschreibt er seine Rolle darin, die Richtung vorzugeben, Teams zu befähigen und ein Umfeld zu schaffen, in dem Verantwortung übernommen wird.

„Ich sehe mich nicht wirklich als Führungskraft. Ich gebe die Richtung vor, und wir übertragen Verantwortung.“ – Erik Bakker, CEO, OHV

Diese Haltung zeigt sich in der Arbeitsweise der Organisation, mit klaren Zielen, regelmäßiger Abstimmung zwischen Teams und einem starken Fokus auf Verantwortlichkeit auf allen Ebenen.

Auf einer starken Grundlage aufbauen

Mit Blick nach vorn sieht OHV Chancen in Bereichen, in denen die eigenen Kernkompetenzen weiterhin besonders relevant sind, insbesondere in den Rentenmärkten und im Zinsrisikomanagement.

Nach einer langen Phase niedriger und negativer Zinsen hat die Rückkehr höherer Zinsen die Bedeutung eines aktiven Risikomanagements und einer fundierten Portfoliokonstruktion erhöht.

Durch die Kombination institutioneller Infrastruktur mit einer breiten Kundenbasis strebt OHV an, sein Angebot zu skalieren und gleichzeitig die Disziplin und Konsistenz beizubehalten, die das Unternehmen seit Jahrzehnten prägen.

Themen dieser Episode

  • Die Entwicklung von OHV vom institutionellen Broker zum Full-Service-Vermögensverwalter
  • Wie Vermögensverwalter über fast 100 Jahre hinweg relevant bleiben können
  • Die Rolle integrierter Plattformen im modernen Asset Management
  • Warum Inhouse-Brokerage weiterhin einen Wettbewerbsvorteil bietet
  • Wie langfristiges Risikomanagement die Portfoliokonstruktion prägt
  • Die Auswirkungen der Digitalisierung auf Kundenerwartungen
  • Wie Nachhaltigkeit in Anlagestrategien integriert wird
  • Führung, Kultur und der Aufbau von Organisationen für die lange Frist

Die vollständige Episode ansehen

Sehen Sie sich das vollständige Gespräch mit Erik Bakker an und erfahren Sie, wie sich OHV über fast ein Jahrhundert entwickelt hat und was es braucht, um einen Vermögensverwalter mit langfristiger Ausrichtung zu führen.

Über den Gast

Erik Bakker ist CEO von OHV Vermogensbeheer, einem unabhängigen niederländischen Vermögensverwalter mit Wurzeln, die bis ins Jahr 1932 zurückreichen. Seit seinem Eintritt in das Unternehmen im Jahr 1990 hat er eine zentrale Rolle bei der Transformation von einem institutionellen Brokerage-Geschäft hin zu einer diversifizierten Plattform für Wealth und Asset Management gespielt, die sowohl private als auch institutionelle Kunden betreut.

Über Wealth Insider

Wealth Insider ist ein Podcast von Performativ, der sich mit den Strategien, Technologien und Menschen beschäftigt, die die Zukunft des Wealth Management prägen. Jede Episode bietet offene Gespräche mit Führungskräften aus Investment Management, Private Banking, Fintech und Finanzregulierung.

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